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Umweltlexikon

Quecksilber


Chemisches Element, Symbol Hg, Ordnungszahl 80, Schmelzpunkt -38,84 Grad C, Siedepunkt 356,58 Grad C, Dichte 13,6 g/Kubikzentimeter.

Q. gehört zu den selten vorkommenden Metallen, trotzdem entweichen jährlich zwischen 55.000 und 180.000 Tonnen gasförmig aus natürlichen Quellen. Hinzu kommen 8.000 bis 38.000 t Q., die vom Menschen in die Umwelt freigesetzt werden (z.B. Q.-produzierende Industrie , Verkehr , Verbrennung von Kohle und Erdöl, Müllverbrennung sowie Erz- und Mineralaufbereitung) und weltweit verbreitet werden. 1995 betrugen die Q.-Emissionen Deutschlands 31 Tonnen.

Zur Beurteilung von Toxizität und Umweltgefährdung müssen metallisches Q., anorganische Q.-Verbindungen und organische Q.-Verbindungen unterschieden werden:
  • Metallisches Q. oder auch als elementares Q. bezeichnet: Chemisches Symbol Hg, flüssiges, silbrig glänzendes Schwermetall, das andere Metalle unter Bildung von Amalgamen löst (Amalgam-Zahnfüllungen). Metallisches Q. verdampft aufgrund seines hohen Dampfdrucks leicht. In die Atmosphäre freigesetztes Q. gelangt mit dem Regen in Gewässer (ca. 4.000 t/a), wo eine bakterielle Umwandlung in organische Q.-Verbindungen erfolgt, weltweit entstehen dabei in Flüssen und Meeren ca. 490 t/a Methyl-Q.. Metallisches Q. wird u.a. als Thermometer-, Barometer- und Elektrodenmaterial (z.B. in Batterien ) sowie als Extraktionsmittel für Edelmetalle verwendet.

    Q. ist ein Zell- und Protoplasmagift, das u.a. in Leber, Nieren und Gehirn gespeichert und nur langsam über die Nieren (normale Ausscheidungsrate 10-20 mg/d) wieder ausgeschieden wird. Verschlucken von metallischem Q. ist relativ ungefährlich, da Q. aus dem Magen-Darm-Trakt schlecht resorbiert wird. Wesentlich gefährlicher ist der entstehende Q.-Dampf (gute Fettlöslichkeit, hohe Diffusionsfähigkeit), der beim Einatmen zu ca. 80% resorbiert wird. Q.-Dampf schädigt akut die Lungen und chronisch das Zentralnervensystem (ZNS). Chronische Vergiftungen sind ab 0,1-1 mg/m3 zu erwarten (akute Vergiftungssymptome: Metallgeschmack im Mund, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, blutige Durchfälle, chronische Vergiftungssymptome: Zahnlockerung, schwarzer Q.-Saum an den Zähnen.). Am bedeutsamsten ist die Gefährdung durch inhalative Aufnahme von Q.-Dämpfen am Arbeitsplatz (z.B. Zahnarztpraxen mit durchschnittlich 50 mg/kg und Spitzenbelastungswerten von 10 g Q./kg Hausstaub , Thermometerfabriken, Chloralkali- Industrie , Chlor ). In Wohn und Arbeitsräumen verschüttetes Q. muss sorgfältig eingesammelt werden. Aus Teppichen u.a. lässt sich Q. mit Schwefel entfernen. Q. ist Sondermüll, nicht in den Hausmüll geben!
  • Anorganische Q.-Verbindungen (Q.- Salze ): Da Q.-Salze kaum flüchtig sind besteht nur bei Aufnahme über Nahrung oder Trinkwasser sowie über die Haut Vergiftungsgefahr. Q.-Salze wirken auf Haut und Schleimhäute ätzend. Einnahme führt zu Rachenentzündungen, Schluckbeschwerden, Benommenheit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Kreislaufkollaps und Schock. Die tödliche Dosis liegt bei Q.-Salzen zwischen 0,2 und 1 Gramm.
  • Organische Q.-Verbindungen (Methyl-Q.): gute Fettlöslichkeit und eine lange biologische Halbwertszeit (70 Tage). Sie werden hauptsächlich als Fungizide ( Saatbeizmittel , Obstanbau) und zur Holzkonservierung ( Holzschutzmittel ) eingesetzt, entstehen aber auch in Gewässern durch bakterielle Umwandlung aus Q.. Q.-haltige Beizmittel werden in Deutschland immer noch produziert ( Pestizidexport ), die Anwendung ist jedoch seit 1982 verboten.
    Methyl-Q. ist die bei weitem giftigste Q.-Verbindung und die einzige Verbindung, die in der MAK-Liste als fruchtschädigend eingestuft wird. Methyl-Q. wird über Lunge und Verdauungstrakt zu 80% resorbiert. Organische Q.-Verbindungen reichern sich besonders im ZNS an - nennenswerte Konzentrationen finden sich auch in Haaren, Leber und Niere. Sie können die Placentaschranke überwinden und wirken nachgewiesenermaßen fruchtschädigend (teratogen), der Fetus reagiert 3-4mal empfindlicher auf Methyl-Q. als die Schwangere. Ausgeschieden werden organische Q.-Verbindungen hauptsächlich über die Galle, geringe Mengen auch über Urin und Muttermilch .
    Vergiftungssymptome treten ab 200 mg aufgenommener Menge auf, machen sich aber anders als bei metallischem Q. erst nach Wochen bemerkbar. Beim Erwachsenen können Mengen von 350 mg Methyl-Q. tödlich wirken. Zu Vergiftungskatastrophen durch organische Q.-Verbindungen kam es u.a. in den 50er Jahren in Japan und 1971/72 im Irak (Minamata Krankheit).

Monitoring-Studien über Konsumfischarten aus Nordsee und Nordatlantik weisen darauf hin, dass die Q.-Belastung in Seefischen hauptsächlich auf die altersbedingte Q.- Akkumulation natürlich vorkommenden Q. zurückzuführen ist. Thunfische galten lange Zeit als besonders Q.-belastet. Untersuchungen von Thunfischkonserven zeigen jedoch, dass die Q.-Belastung von Thunfischerzeugnissen in den letzten 15 Jahren nicht zugenommen hat und im Durchschnitt bei 0,21 mg/kg liegt. Wegen des geringeren Verdünnungspotentials für eingebrachte Schadstoffe findet man bei Fischen aus Binnengewässern deutlich höhere Belastungen als bei Seefischen.

Grenz- und Richtwerte
  • Laut WHO sollte die Q.-Gesamtaufnahme einen Wert von 5 µg/kg Körpergewicht/Woche nicht überschreiten. Zum Vergleich beträgt die durchschnittliche Q.-Aufnahme aus der Nahrung (USA) 0,7 µg/kg Körpergewicht/Woche.
  • Richtwerte für Lebensmittel: Diverse 0,03 – 0,05 mg/kg als ZEBS-Richtwerte; 0,5 mg/kg bei Fisch lt. Verordnung und für einige spezielle Fischarten (Aal, Hecht, Lachs, Zander, Blauleng, Eishai, Heringshai, Katfisch, Rotbarsch) mit 1 mg/kg.
  • Grenzwert für Trink- und Mineralwasser : 1 µg/Liter
  • MAK-Wert: 0,1 mg/m3 ( Luft )
  • Klärschlamm: 8 mg/kg
  • Boden : 10 – 80 mg/kg Bundesbodenschutzgesetz-Prüfwerte

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