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Umweltlexikon



Freiheitsberaubung oder "smarte" Fürsorge?




Glaubt man den Werbeversprechungen der Krankenkassen, dann ist Deutschland ein Paradies für Patienten, die Krankheiten und Wehwehchen mit Naturheilverfahren kurieren wollen.


Die Badesaison startet mit einer Hiobsbotschaft: Für Kinder kann das Planschen mit Luftmatratzen zum Gesundheitsrisiko werden.



Bei einer psychischen Störung oder Erkrankung kann eine Psychotherapie helfen. Auch bei Konflikten, Mobbing oder in Lebenskrisen ist sie häufig das Mittel der Wahl.


Schön ohne Chemie: Der Markt für Naturkosmetik boomt. Kein Wunder, dass viele Hersteller grüne Produkte anbieten.



Während die Gefährlichkeit des Handys für das menschliche Gehirn nun aufgrund der Auswertungen der seit langem erwarteten Interphone-Studie in Frage gestellt ist, bestätigt sich die Gefährlichkeit von Fischkonsum zunehmend.


Die Wellen werden wieder hochschlagen, wenn am 4. Juli 2010 in Bayern der Volksentscheid zum Nichtraucherschutzgesetz ansteht.


Magenbeschwerden sind oft harmlos. Manchmal sind sie aber auch gefährlich, denn sie können Zeichen für Geschwüre oder gar für Krebs sein.

Schneller Brüter


Der S. ist ein Kernreaktortyp ( Kernkraftwerk ) zur Stromerzeugung und Plutoniumgewinnung, der als Spaltstoff ( Kernspaltung ) Plutonium verwendet, das mit schnellen Neutronen gespalten wird.

Uran -238 dient als Brutstoff. Im Brutmantel, der den Reaktorkern ( Kernreaktor ) umgibt, entsteht aus Uran 238 durch Neutroneneinfang Plutonium 239 (Brutvorgang) Der S. kann so mehr Plutonium erzeugen, als er verbraucht, wodurch die begrenzten Uranreserven um den Faktor 60 gestreckt werden sollen ( Energiereserven ).

Da Plutonium in der Natur nicht vorkommt, muss die Erstfüllung durch Wiederaufbereitung abgebrannter Brennelemente von Leichtwasserreaktoren ( Kernkraftwerk ) gewonnen werden. Als Kühlmittel wird wegen guter Wärmeabfuhr und Nichtabbremsen der Neutronen Natrium verwand. Der S. besitzt keinen Moderator ( Kernreaktor ).

Die Wiederaufarbeitung von S.-Brennelementen verlangt spezielle Anlagen. Wegen der größeren Störfallgefahr ist der Kernreaktor von einem doppelten Sicherheitsbehälter umgeben, und ein Core-Catcher soll beim größten Störfall den geschmolzenen Reaktorkern aufnehmen, kühlen und eine Plutoniumkettenreaktion ( Kernspaltung ) verhindern.

Umweltbelastung: Im Normalbetrieb werden, verglichen mit Leichtwasserreaktoren (LWR), höhere Emissionen radioaktiver Edelgase (Krypton, Xenon, Argon) und geringere an radioaktivem Iod erwartet. Die größte Gefahr geht von Stör- und Unfällen aus. Prinzipiell gilt der S. als gefährlichster Kernreaktortyp, was Wahrscheinlichkeit und Ausmaß von Unfällen angeht. Ob dieses Gefahrenpotential durch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen kompensiert werden kann, ist umstritten.

Sicherheitstechnische Besonderheiten des S.:
  • Das Kühlmittel Natrium stellt eine besondere Gefahr als Störfallauslöser dar, da es mit Wasser und Luft heftig reagiert.
  • Bei einem Störfall mit Kühlmittelverlust zeigt der S. im Gegensatz zum LWR keine Selbststabilisierung, vielmehr steigt seine Leistung sogar an. Es bleibt erheblich weniger Zeit, um den Reaktor mittels Schnellabschaltung abzuschalten.
  • Wegen der hohen Plutoniumkonzentration kann es beim S. im Gegensatz zum LWR zu einer begrenzten nuklearen Explosion (atombombenähnlich) kommen. Ob der Reaktordruckbehälter dem standhält, ist umstritten.
  • Der größtmögliche Störfall (Bethe-Tait-Störfall, vgl. Super-Gau ) tritt ein, wenn die Kühlung ausfällt und die Reaktorschnellabschaltungen versagen. Folge: Leistungs- und Temperaturanstieg, Schmelzen der Brennelemente (30 % aus Plutonium ). Dabei kann es mehrfach zur Bildung einer kritischen Masse ( Kernspaltung ), nuklearen Explosionen mit evtl. Bersten des Reaktordruckbehälters und Freisetzung extrem großer Mengen Radioaktivität kommen.


Folgen eines solchen schweren Unfalls, der sich alle ca. 100000 Reaktorjahre ereignen kann, berechnet für den S. in Kalkar: 1.400 Soforttote, 52000 bis 2,7 Million Folgetote; etwa eine Million Menschen müssen umgesiedelt werden, auf einer Fläche von 260 km mal 260 km ist Jahrhunderte lang keine Landwirtschaft mehr möglich, eine Fläche von 90 km mal 90 km muss oberflächlich abgetragen werden.

Die Auswirkungen liegen um das 2 bis 5 Fache höher als beim Super-Gau eines LWR. Weitere Gefahr: Mit dem Betrieb von S: gelangen große Mengen des hochgiftigen Plutoniums in Umlauf. Das erbrütete Plutonium ist wegen seiner Reinheit waffentauglich.

In Frankreich und anderen Staaten wurde es zum Atomwaffenbau verwandt.
1973 wurde mit dem Bau der S. in Kalkar begonnen, Kenndaten: Elektrische Leistung 295 MW, Reaktorkern konzipiert für 850 kg Plutonium . 1986 erklärte der Hersteller Interatom den S. für betriebsbereit. Das Land NRW erteilte jedoch keine Genehmigung zur Einlagerung der Brennelemente. 1991, noch bevor der S. jemals am Netz war, verkündete das BMFT das endgültige Aus für den S.. Die Baukosten beliefen sich, ohne Forschungsgelder, auf 7,5 Mrd DM.

In Frankreich ist der Vorzeige-S. Superphenix seit 1990 wegen diverser Pannen stillgelegt. Frankreich hat nach den Erfahrungen mit dem Superphenix von der ursprünglich geplanten Serienfertigung großer S. Abstand genommen. Die USA haben bereits unter Carter die S.-Entwicklung eingestellt. Weltweit konnte der S. nicht zu einer kommerziellen Reife gebracht werden. Ohne S. stellen aber auch konventionelle Kernkraftwerke aufgrund der begrenzten Uranvorräte keine langfristige Option dar ( Energiereserven ).

Alternativen: regenerative Energiequellen .

Haupttreffer:

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